Wie ernst nimmt der deutsche Mittelstand das Thema Künstliche Intelligenz?


Du nutzt den Sprachassistenten Deines Smartphones und das Navigationssystem in Deinem Auto. Sie sind Teil von Software im Bereich künstlicher Intelligenz (KI), die zum Teil von deutschen Unternehmen entwickelt wurden. Der Standort Deutschland holt auf als Innovationsstandort, behauptet zumindest die jüngste Studie der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo), die unser Land auf Platz 9 der 130 untersuchten Länder eingeordnet hat.

Der aktuelle Bericht der Wipo erklärt uns, dass Länder wie die USA und China deutlich mehr in Bildung, Forschung und Entwicklung investieren als Deutschland und künstliche Intelligenz als eine Schlüsseltechnologie erkannt haben. Besteht ernsthaft die Gefahr in der wichtigen Zukunftstechnologie KI abgehängt zu werden?

Deutschland sucht noch den Weg auf der KI-Landkarte

Seit 1950 wurden weltweit über 350.000 Patente zum Thema künstliche Intelligenz angemeldet. In einem Drittel aller eingereichten Erfindungen spielt Machine Learning eine Rolle. Das Thema kennen wir unter anderem aus automatisierten Übersetzungsprogrammen. Die Spitzengruppe der Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen führen Konzerne an wie IBM, Microsoft, Toshiba, Samsung sowie viele andere Global Player mit Sitz in Fernost.

Die deutschen Unternehmen Siemens und Bosch zählen zwar noch zur Gruppe der Top 30, werden aber auf die hinteren Ränge verwiesen. Von den 500 öffentlichen Forschungseinrichtungen mit den meisten Patentanmeldungen kann allein das deutsche Fraunhofer Institut als einziges europäisches Institut mit der Übermacht aus Asien mithalten und erreicht Platz 159. Die vorderen Plätze teilen sich Universitäten und Forschungsakademien mit Sitz in Fernost zum Beispiel aus China und Korea. 

Utopisch und kurios klingt in diesem Zusammenhang der Beschluss der Bundesregierung aus Dezember 2018, Deutschland zum weltweit führenden KI-Standort zu machen. Immerhin haben sich kürzlich über 160 Unternehmen im neugegründeten Bundesverband für künstliche Intelligenz zusammengeschlossen.

Gemäß einer Studie des Verbandes der Elektroindustrie (VDE) haben Deutschland und Europa schon längst den Anschluss an das Thema KI verpasst. Nach Einschätzung des CEO von Asgard Capital, Fabian Westerheide, wurden bisher etwa ein Prozent der möglichen Anwendungen für Industrie und Gesellschaft umgesetzt. Darin besteht für deutsche Unternehmen noch eine Chance aufzuholen.

Ohne KI sehen wir alt aus

Dank intelligenter Gesichtserkennungssoftware entsperrt sich Dein Smartphone morgens selbständig, wenn die Augen noch vor Müdigkeit geschlossen sind und liest Dir auf Wunsch die neuesten Nachrichten vor. Mit einem Sprachbefehl an Siri und Alexa wirst Du über das aktuelle Wetter informiert. Noch bevor Du Deine erste Tasse Kaffee trinkst, hast Du schon mehrmals künstliche Intelligenz in Aktion erlebt. 

Zahlreiche Assistenzsysteme, Bildanalysesysteme im Bereich der medizinischen Diagnostik sowie intelligente Steuerungssysteme in der Logistik beeinflussen bereits heute unseren Alltag. Auf die meisten Systeme möchtest Du als Verbraucher vermutlich nicht mehr verzichten und Unternehmen könnten im globalen Wettbewerb kaum bestehen. Einige Erfindungen sorgen im Hintergrund für unsere Sicherheit – manchmal ohne, dass wir von Ihnen wissen und Sie bemerken.

Ein Beispiel im Bereich Machine Learning ist die Müdigkeitserkennung in Fahrzeugen, die uns mit einem akustischen Piepton und dem Symbol einer Kaffeetasse auf dem Fahrerdisplay warnt, dass wir die nächste Raststation ansteuern sollten. 

Künstliche Intelligenz – Berlin ist Vorreiter für KI-Industrie und Forschung

Weltweit betrachtet liegt die Hauptstadt Berlin auf Platz 15 gemessen an der Anzahl der Start-up-Gründungen im Bereich künstlicher Intelligenz. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten sind in Berlin die Hälfte der Unternehmen ansässig, die sich mit der Entwicklung von KI-Technologien beschäftigen. Ein Beispiel ist die Firma R2 Data Labs, einer Tochter des Automobilbauers und Flugzeugmotorenherstellers Rolls Royce im Süden Berlins. Ihr Ziel ist es, intelligentere Triebwerke mit Ferndiagnosefunktion zu bauen. 

Vermutlich würdest Du mit einem sicheren Gefühl in den nächsten Flieger steigen, wenn Du wüsstest, dass die Maschine mit einem Ferndiagnosesystem ausgestattet wurde. Ein kleiner Haken bleibt: Jemand muss den Auftrag für die Wartung freigeben und diese durchführen.